Twitter gezwitscher

Um sich über Twitter zu äußern braucht es heute mehr als 140 Zeichen.  Zuviel wird geschrieben und zuviele Marketing-Gurus weissagen den großen Nutzen. Eines wird aus den Nutzungszahlen von Twitter bereits heute klar – die urschprüngliche Zielgruppe, Teens und Tweens,  ist nur schwach vertreten – zumindest in Deutschland.

Nach einer Studie von Nielson, die in der ZEIT vom 13.08.2009 zitiert wird ist der größte Teil der Nutzer älter als 25 Jahre.

Twitter Usage

Twitter Usage

Die Herkunft der Twitter Nutzer ist in dieser Statistik ebenfalls aufgeschlüsselt.  Google ist demnach der gröste Traffic-Lieferant von Twitter. Ein Ergebnis, das nahelegt, das es sich bei diesen Anwendern um Nutzer mit kurzfristigen Interessen handelt.
Im Juni 2009 waren laut der Studie nur 14,8% der Besucher mehr als dreimal bei Twitter auf der Website (www.twitter.com) , 71,1% der Besucher dagegen nur ein mal.
Die Loyalitätsanalyse der Nielsen Zahlen zeigt, dass 35,7 Prozent der Nutzer des Vormonats im Juni erneut Twitter besuchten. Die Nutzungsdauer von Twitter ist im Vergleich zu anderen Social-Media Netzwerken sehr gering. Dies ist zum Teil sicher auf die 140 Zeichen Beschränkung zurückzuführen, läßt sich aber auch als Indiz für die oberflächlichere Nutzung werten.
Diese Studie bildet einen guten Hintergrund für die Bewertung des kommerziellen Nutzen von Twitter. Die Kommerzialisierung läßt sich in mehrere Kategorien zusammenfassen:

  • B2C Advertising
  • B2B Lead Nurturing
  • Company-2-Employee Communication
  • Business-2-Customer Stay in Contact
  • Trend Scout

B2C Advertising

Es haben sich schon andere die Mühe gemacht (Danke) die verschiedenen Angebote für Werbetreibende zu sichten. Wer merh dazu lesen möchte, der ist bei Marting Meyer-Gossner und seinem Blog TheStrategyWeb gut aufgehoben. Der verlinkte Artikel gibt einen sehr schönen Überblick über verschiedene Angebote und aufkeimende Geschäftsmodelle zur Monetarisierung von Twitter.
Theoretisch ist die Zielgruppe der 25+ Jährigen lukrativ, eine sporadische Nutzung spricht nicht gegen Werbung. Hier könnte Twitter als Werbekanal funktionieren. Hier lohnt sich ein genauer Blick auf die verschiedenen Angebote. Im Kern bestehen Sie aus den zwei Optionen „Ich folge für Geld“ oder „Ich zwitscher Werbung für Geld“. In Kombination klingt das nach self fulfilling prophecy. Die einen bekommen Geld dafür, dass sie die Werbung derer lesen, die dafür bezahlt werden – rechnet sich für alle ausser denjenigen der Werbung treibt.

B2B Lead Nurturing

Wenn ich es schaffe meine potentiellen Kunden dazu zu bewegen, mir zu folgen, dann habe ich einen Kommunikationskanal offen, der es mir ermöglicht, wichtige Neuigkeiten in aller Kürze unter die Leute zu bringen.
Klingt gut – setzt aber regelmäßige Nutzer voraus und ich muß es schaffen, dass mir meine Zielgruppe folgt.  Ich möchte nochmals Anmerken, dass ich hier von zukünftigen Kunden spreche und nicht von Bestandskunden, die ich pflegen will.

Damit ist die Hürde, den Kommunikationskanal zu öffnen ein echte Herausforderung. Um potentielle Kunden dazu zu bewegen, mir auf Twitter zu folgen, muß ich ihnen einen echten Mehrwert bieten, z.B. wichtige Informationen zwitschern. Der Aufwand läßt sich damit vergleichen, einen Newsletterabonnenten zu gewinnen.  Mit einem Newsletter habe ich aber einen Kommunikationswerkzeug, das sich nicht durch die Einschränkung auf 140 Zeichen als Medium für echten Mehrwert disqualifiziert.

Bleibt also nur noch das „anteasern“ nach dem Motto: „Schaut mal hier, dort gibt es was neues…“. Doch alleine dafür ist es nicht gerechtfertigt größeren Aufwand in die Generierung von Followern zu investieren.

Company-2-Employee Communication

Ein Beitrag im ReadWriteWeb  hatte speziell auf den Nutzen als internes Kommunikationsmittel hingewiesen. (Anm. 16.03.2016: Link war nicht mehr zu erreichen, daher entfernt)

Ich kann mich der Aussage in diesem Betrag nur anschliessen: Twitter ist nicht sicher! Für die Kommunikation innerhalb eines Unternehmens ist es meines Erachtens schlicht ungeeignet.

Business-2-Customer Stay in Contact

Hier gilt ähnliches wie für das Lead-Nutruring, lohnt es sich, Kunden dazu zu bewegen einem Tweet zu folgen, wo der Aufwand, einen Kundennewsletter zu etablieren ähnlich hoch sein wird?

Auch hier sehen ich Twitter nur als Werkzeug mit Signalcharakter: „Schaut euch mal das an – es ist neu“. Hier kann Twitter allerdings einen Vorteil ausspielen. Während ein Newsletter als Push-Medium zum Kunden geliefert wird und situativ zum falschen Moment im Email Postfach landet und damit nicht gelesen wird, ist Twitter als Pull-Medium in der Regel in dem Moment in Gebrauch, wenn ein Kunde aufnahmebereit ist. Hier kann es durchaus Potential geben.

Trend Scout

Oft wird Twitter als Werkzeug für Marktforschung oder zum erkennen neuer Trends genutzt. Ein Freund nutzt Twitter um die Stimmung auf Messen zu durchleuchten. Ein Ansatzt für privates „Trend Scouting“, der mich in der Praxis überzeugt hat.

Doch eigentlich ist mit „Trend Scout“ etwas anderes gemeint.  Die Analyse neuer Themen anhand des allgemeinen Gezwitscher. Eine Möglichkeit, die nur funktioniert, wenn die Gruppe der Twitter Nutzer als representatives Panel betrachtet werden kann.

Meine Befürchtung ist, dass sich bei Twitter ein großer Pool an Marketing Menschen sammelt.  Damit wäre ein Twitter Meinungsbild stark verzerrt.

Leider steht mir im Moment noch keine glaubwürdige Analyse der Twitter Nutzer nach Berufsgruppen zur Verfügung, das werde ich aber noch ergänzen, wenn ich diese Zahlen habe.

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